Sankt Petersburg - eine Stadt zwischen Prunk und Armut

Schüleraustausch mit dem Klassischen Gymnasium 610

Sankt Petersburg - das "Venedig des Nordens", die "nördlichste Metropole" oder nach Joseph Brodskij sogar die "schönste Stadt auf dem Antlitz der Erde"...

Vom 2. bis 12. Mai 2004 hatte eine kleine Gruppe des Andreae-Gymnasiums Herrenberg zusammen mit einigen Russischschülern des Otto-Hahn–Gymnasiums Böblingen die Möglichkeit, diese Stadt näher kennenzulernen. Begleitet wurde unsere Gruppe von Gisela Reichert-Borowsky und Peter Jakubow.

Hatten wir zuvor schon einiges über die russische Kultur und St. Petersburg erfahren, so konnten wir dort doch einmalige Eindrücke und Erfahrungen sammeln.

Auf den ersten Blick präsentierte sich uns Sankt Petersburg als prächtige Metropole, die ohne weiteres den Vergleich mit westlichen Großstädten wie Paris antreten kann. Prunkvolle Paläste, Kirchen und Bauten aus der Zarenzeit beeindruckten uns mit vergoldeten Figuren und Torbögen. Lässt man den Blick über das Ufer der Newa schweifen, erblickt man den Winterpalast, die Isaakskathedrale oder die Admiralität... Unzählige Sehenswürdigkeiten, Denkmäler und Museen bieten jedem ein abwechslungsreiches Programm. Dass Sankt Petersburg eine ziemlich westliche Stadt ist, wurde uns relativ schnell bewusst. Die einzig wirklich russische Kirche, die wir zu Gesicht bekamen, war die Blutskirche. Die wunderschönen Brücken, Flüsse, Kanäle oder Parkanlagen wie z.B. der Sommergarten, den wir besuchten, verleihen der Stadt ein einmaliges Flair. Da letztes Jahr viele Gebäude und Straßen für die 300-Jahr-Feier renoviert wurden, ist die Innenstadt nun besonders schön.

Doch dies ist leider nur die eine Seite der Medaille. Die Kluft zwischen Luxus und Armut machte sich bei genauerem Hinsehen sehr schnell bemerkbar. Vor den Metrostationen baten die ärmsten Menschen ihre Ware auf Pappkarton ausgebreitet an. Vor einer

Mc Donalds Filiale begegneten wir einer in Lumpen gekleideten Frau, die im Mülleimer nach Resten und leeren Flaschen suchte. Als ihr jemand aus Mitleid Pommes Frites schenkte, konnten wir kaum glauben, dass wir uns tatsächlich auf dem Newskij Prospekt befanden. Der Newskij ist schließlich die Haupteinkaufstraße der Stadt - eine belebte Gegend voller Cafés und Luxusgüter, auf die unsere Partner recht stolz zu sein schienen. Wird die Innenstadt von wunderschönen barocken und klassizistischen Bauten beherrscht, so sieht das in den meisten Wohngegenden sehr viel anders aus. Viele unserer Austauschschüler leben in hohen Betonbauten mit meist runtergekommenen und sogar stinkenden Hausfluren. Die Höfe waren häufig von Tristesse erfüllt und gaben kein sehr schönes Bild ab.

Ein Problem ist außerdem (wie in jeder anderen Grossstadt auch) die Kriminalität. Mit der Mafia machten wir auf der Strasse zwar keine Bekanntschaft, doch wurden wir leider gleich am ersten Tag in der Metro beklaut. So lernten wir ziemlich schnell, dass man in der Metro in jeder Hinsicht sehr viel Acht geben sollte.

Die Metro spielt in Sankt Petersburg überhaupt eine besondere Rolle. Vor allem in der Innenstadt gibt es sehr schöne Metrostationen, die allesamt sehr sauber sind. Außerdem waren wir von Anfang an von den relativ schnellen, langen und steilen Rolltreppen beeindruckt...

Außer diesen Punkten, gibt es noch einen völlig anderen Aspekt, der unser Bild von Sankt Petersburg prägte. Die Stadt und ihre (vor allem älteren) Bewohner sind stark von der 900-tägigen Belagerung des ehemaligen Leningrads durch die Deutschen geprägt worden. Deshalb stießen wir in der Stadt immer wieder auf Elemente, die an die "Blockade" und den "Großen Vaterländischen Krieg" erinnern. Wir besuchten beispielsweise eine Gedenkstätte am Platz des Sieges, die manch einen älteren Bewohner St. Petersburgs zu Tränen rührt...

Da unser Aufenthalt außerdem auf den 9.Mai, den "Tag des Sieges" fiel, rückte dieses Thema (das für "uns Deutsche" nicht immer ganz einfach war!) noch stärker in den Vordergrund. Wir waren ziemlich erstaunt, als wir am Schlossplatz ein wirklich riesiges Plakat mit der Aufschrift: "1941-1945 Vaterländischer Krieg / Alles Gute zum Tag des Sieges" bemerkten...

Abschließend möchte ich betonen, dass wir wirklich die Möglichkeit hatten, einen tiefen Einblick in diese wunderbare Stadt zu bekommen. Natürlich haben wir unzählige Erfahrungen im Bereich der russischen Sprache und Kultur gemacht. Wir haben viel aus diesen Tagen mitgenommen und freuen uns schon auf den Gegenbesuch unserer Partner...

Das Leben in Sankt-Petersburg

Der zehntägige Aufenthalt in Sankt-Petersburg hat mir einen guten Überblick über den Alltag in dieser Stadt verschafft. Besonders die Gespräche mit Menschen verschiedenen Alters haben mir geholfen, mir ihr Leben vorstellen zu können. Bei den Unterhaltungen mit dem Großvater meiner Austauschpartnerin waren habe ich erfahren, dass für die Rentner das Leben nicht einfach ist. Auch sie müssen arbeiten gehen, um sich etwas leisten zu können. Andere, die keine Arbeit bekommen oder bereits arbeitsunfähig sind, gehen in die Metro betteln. Wer keine Eigentumswohnung besitzt, hat es schwer. Denn die Mieten sind in Großstädten bekanntlich hoch, so auch in Sankt-Petersburg. Vorteile haben hier nur Kriegesveteranen, sie kriegen 50 % Rabatt auf die Miete. Viele versorgen sich mit Obst und Gemüse, die sie auf der Datscha anbauen. Die Menschen, die große Anbauflächen besitzen und daher viel ernten, verkaufen es auf dem Markt, um sich Brot oder andere Lebensmittel zu kaufen.

Aber auch einige Menschen mittleren Alters müssen sich ihr Geld auf dem Markt verdienen. Oft verkaufen sie Taschen oder Kleidung, die sie woanders günstiger bekommen. Es gibt natürlich auch Menschen, die eine höher bezahlte Arbeit haben. Trotzdem arbeiten oft beide Elternteile. Die gewöhnlichen Arbeitszeiten sind etwas anders als bei uns in Deutschland. Bei vielen beginnt der Arbeitstag um 9 oder 10 Uhr. Bis sie wieder zuhause sind, ist es Abend und wieder ist der Tag fast vorbei. Manche, wie zum Beispiel meine Gasteltern, gehen abends oft zu Freunden. So sind die Kinder oft allein, aber auch sie pflegen die Freundschaften mit regelmäßigen Besuchen. Die sozialen Kontakte sind in Sankt-Petersburg sehr wichtig. Kaum einer hat dort wenig oder sogar keine Freunde. Die Feiertage, wie beispielsweise der 9. Mai, werden zusammen gefeiert. Im Sommer geht es an den See, in den Wald oder auf die Datscha, Schaschlik grillen. Erreichbar sind diese Orte mit der so genannten Elektritschka (eine Art S-Bahn). Trotzdem kommt man mit dem Auto, denn viele haben eins, manche Familien sogar zwei. Gefahren werden dort sowohl europäische als auch russische Autos. Selten sind es jedoch neuere Modelle.

Von Freunden meiner Austauschpartnerin habe ich mitbekommen, dass einige von ihnen Urlaub auch schon im Ausland verbracht haben, und zwar nicht in Weißrussland oder der Ukraine, sondern in Ägypten und Spanien. Doch wahrscheinlich ist es eine Minderheit, die sich so etwas leisten kann.

Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck bekommen, dass die Jugendlichen und ihre Eltern mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind. Doch man muss bedenken, dass ich in diesen zehn Tagen Umgang mit Menschen hatte, die relativ gut leben. Die Eltern haben gut bezahlte Jobs und können sich einiges leisten.

Der größte Wunsch der Jugendlichen, die ich kennen gelernt habe, ist, das Gymnasium erfolgreich abzuschließen und in die Universität einzutreten. Wie bereits erwähnt, ist der Freundeskreis von großer Bedeutung für sie. So verbringen sie den halben Tag (9-15 Uhr) in der Schule und den Rest des Tages mit Freunden. In ihrer Freizeit gehen sie ins Kino, spielen Bowling, gehen im Park oder in der Stadt spazieren oder treffen sich bei einem der Freunde zuhause.

Leider gibt es Jugendliche, die nicht so erfolgreich in der Schule sind und Eltern haben, die wenig verdienen. So kriegen sie wenig Geld und versuchen auf anderen Wegen ans Geld zu kommen. Während des Aufenthaltes habe ich relativ viele Geschichten über Gewalt und Verbrechen gehört. Dem einen wurde der Geldbeutel, dem anderen gleich die ganze Tasche geklaut. Manche wurden auch schon mit Messer bedroht, immer mit der Forderung nach Geld.

Eigentlich gibt es Armut und Reichtum, Frieden und Verbrechen, nette Menschen und bösartige Menschen überall. Meiner Meinung nach sind aber die Unterschiede zwischen Arm und Reich viel zu groß. Dort haben nur wenige alles, einige nichts und viele leben im Mittelstand. Dieser Mittelstand ist aber ärmer als unser Mittelstand in Deutschland.

Anna Krieger

Der 9. Mai, der "Tag des Sieges"

Am 9. Mai, dem Tag des Sieges der Roten Armee über die Wehrmacht, wachte ich gegen 11 Uhr auf. Eigentlich ist das sehr spät, aber es war "Familientag" und seitens unserer Partner-schule war kein Programm vorgesehen. So hatten wir den ganzen Tag Zeit, um etwas mit unseren Familien zu unternehmen. Am Abend wollten wir uns mit den anderen Leuten aus meiner Klasse und deren Austauschpartnern treffen, wir wollten uns alle gemeinsam das traditionelle Feuerwerk am "день победы”, dem “Tag des Sieges”, anschauen.

Artjom, mein Partner, hatte gesagt, dass es in der Peterpauls-Festung ein Feuerwerk geben würde, und dass halb Petersburg auf den Beinen sein wird. Wann denn das Feuwerk beginnt, wollte ich wissen, gegen Mitternacht, wie bei uns an Sylvester vielleicht? Darauf meinte er, dass man schon ab 10 Uhr Raketen am Himmel sieht, da ab 12 Uhr die Metro schließt und die Leute sonst zu Fuß nach Hause gehen oder in der Stadt schlafen müssten.

Um 18 Uhr machten wir uns auf den Weg. Wir waren eine Dreiviertelstunde mit der völlig überfüllten Metro unterwegs. Anscheinend wollten alle Petersburger so schnell wie möglich in die Innenstadt. Bei der Metrostation "Gorkovskaja" versuchten wir, die anderen zu suchen. Keine Chance. Alles voller Menschen. Hunderte, Tausende von Menschen. Arty versuchte seinen Freund David, der die anderen begleitete, anzurufen, er bekam aber keine Verbindung zu seinem Provider "MegaFon". Deshalb beschlossen wir, uns das Feuerwerk alleine anzu-schauen.

Mir waren schon vor dem 9. Mai die vielen riesigen Banner aufgefallen, die den Menschen alles Gute zum "Tag des Sieges" wünschten. Ein sehr großes Banner hing neben dem Winterpalais, vor der Eremitage. Es war darauf ein Orden mit Hammer-und-Sichel Motiv aufgedruckt, daneben standen die Worte “С днём победы”. Auch bei der Metrostation “Gorkovskaja” hing ein solches Plakat.

Artjom wies mich nochmals darauf hin, so wenig deutsch wie möglich zu sprechen, da dies am "Tag des Sieges" eher unvorteilhaft sein könnte, vor allem wegen der vielen aggressiven Betrunkenen. Ich war froh, nicht so leicht als Deutscher erkannt werden zu können, da ich eine sehr dunkle Haut habe und nur zur Hälfte Deutscher bin. Wie die anderen jetzt wohl damit umgehen, fragte ich mich.

Bis zum Feuerwerk gab es keine Zwischenfälle, auch danach nicht.

Gegen 10 Uhr setzten wir uns in einem Park aufs Gras, direkt neben dem Ufer der Neva. Auf einmal sahen wir ein einzelnes Leuchten über der Peter-Pauls-Festung. Ein Jubeln ging durch die Menge, teilweise umarmten sich die Menschen. Einige waren schon stark alkoholisiert. Man sah viele Fahnen mit kommunistischen bzw. sowjetischen Symbolen und Emblemen. Nach einer halben Minute ein zweites Leuchten am Himmel. Wieder ohrenbetäubender Jubel. Das Feuerwerk war verhältnismäßig klein und unspektakulär, ich erwartete, dass es aufwändiger würde. Ein Leuchten. Dann eine halbe Minute Pause. So ging das eine Dreiviertelstunde. Ich war am Ende etwas enttäuscht über das Feuerwerk, fand es jedoch erstaunlich, wie viele Menschen sich versammelt hatten und jubelten, sich umarmten und glücklich waren, dass die Rote Armee vor knapp 60 Jahren trotz schwerer Verluste an Menschenleben die deutsche Wehrmacht besiegt hatte.

Ich freute mich für die Russen, aber auch für die Deutschen. Lieber jetzt mit dem "Feind" den Sieg über die eigene Nation feiern, anstatt in einer faschistischen Diktatur zu leben.

Mein Austauschpartner war sehr enttäuscht von dem Feuerwerk. Ein Jahr zuvor, anlässlich der 300-Jahr-Feier der Stadt soll es ein pompöses und überwältigendes Feuerwerk gegeben haben. Ich war trotzdem zufrieden, der Tag war erholsam und sehr interessant gewesen.

Gegen 23 Uhr waren wir dann in der Metrostation und gegen 24 Uhr zu Hause. Artjoms Eltern fragten uns noch, wie das Feuerwerk gewesen sei. Eine halbe Stunde später lag ich dann im Bett und wartete auf meinen wohlverdienten Schlaf...

Faraz Ahmad

Gewalt in St. Petersburg

Wie in jeder großen Stadt und Metropole dieser Welt ist auch in St. Petersburg Gewalt und Kriminalität ein großes Problem.

Schon am Abend meiner Ankunft in St. Petersburg und in meiner Gastfamilie hatte ich ein Gespräch mit meinem Austauschpartner David Vasiltsov über gewaltbereite Skinheads. Er erklärte mir, dass es in St. Petersburg über 5000 offizielle Mitglieder in Skinheadorgani-sationen gäbe, inoffiziell liege die Anzahl jedoch bei weit über 10 000. Außerdem erklärte er mir, dass es zwei verschiedene Arten von Skinheads gäbe, die weißen "Skins", die wie bei uns äußerst rassenfeindlich und aggressiv sind und die roten "Skins", die sich lediglich äußer-lich von der Gesellschaft abspalten wollen. Schon am dritten Tag in St. Petersburg machten wir eine eher schmerzhafte Erfahrung mit betrunkenen Fußballfans. An diesem Tag wollte ein Teil unserer deutschen Gruppe eine Kirche, die nicht weit von unserer Schule entfernt war besichtigen. Auf dem Weg zu dieser Kirche sahen wir auf der anderen Straßenseite ein paar grölende Fußballfans des ansässigen St. Petersburger Fußballclubs (Vereinsfarben Blau). Ausgerechnet an diesem Tag trug ich eine rote Sportjacke. Als von den Fußballfans ein paar "unfeine" Gesten (Mittelfinger) zu uns herüberkamen, erlaubte ich mir eine im Nachhinein sehr idiotische Geste (Ich zupfte etwas provozierend an meiner roten Sportjacke). Kurz darauf sah ich schon, wie die Gruppe, die aus etwa acht bis zehn jungen Männern bestand, über die Straße uns hinterher rannten. Daraufhin ging ich schnell zu unseren Lehren Frau Reichert-Borowsky und Herrn Jakubow um ihnen mitzuteilen, dass wir ein Problem hätten. Doch da hatten uns die Fußballfans auch schon umzingelt. Herr Jakubow versuchte noch durch Beruhigen zu verhindern, was nicht mehr zu verhindern war. Der erste Schlag traf mich auf den Hinterkopf, aus den Augenwinkel konnte ich noch erkennen wie mein Freund Faraz ebenfalls zwei oder drei Schläge einstecken musste, doch da traf mich schon der nächste Schlag, der meine Lippe zum Platzen brachte. Nach ein oder zwei weiteren Schlägen gelang es mir mich aus dem "Gewühle" zu befreien, was zuvor auch schon Faraz und Tobias gelungen war. Nach kurzem Überprüfen, ob ich noch alle Zähne hatte, kamen ein paar hilfsbereite Passanten, riefen etwas und die betrunkenen Fans begannen endlich von uns abzulassen und weiter brüllend durch die Stadt zu ziehen.

Kurze Zeit später erreichten wir endlich unser eigentliches Ziel, die Kirche, vor der wir uns erst einmal ein wenig ausruhten und Bilanz zogen: Faraz hatte einige harte Schläge auf den Hinterkopf bekommen, Tobias musste seinen Kiefer überprüfen (es war alles in Ordnung), ich hatte eine blutende Lippe, und auch Herr Jakubow hatte einen ordentlichen Schlag abbekommen, genauso wie Frau Reichert, deren Faust nicht von einem Schlag schmerzte, den sie ausgeteilt hatte, sondern einstecken musste. Lediglich unsere Mitschülerinnen wurden nicht verletzt, dafür mussten sie sich aber primitive Anmache anhören. Erst vor der Kirche wies uns ein freundlicher Russe darauf hin, dass ich heute lieber die rote Jacke ausziehen solle, da dies die Farben des Erzfeindes Sparta Moskau seien. Dies ließ ich mir nicht zweimal sagen und versteckte sofort die rote Jacke in meinem Rucksack!!!

Dieses Erlebnis blieb jedoch, Gott sei Dank, der einzige Zwischenfall bei dem wir direkt beteiligt waren und auch ansonsten bekamen wir nicht viel von Gewalt mit.

Es gab lediglich Dinge wie die, dass wir einen Umweg laufen mussten, da wir mit unserem ausländisch aussehenden Freund Faraz nicht durch bestimmte Stadtteile gehen sollten, da dort die Gefahr von gewaltvollen Übergriffen auf uns zu groß war. Außerdem wiesen uns unsere russischen Partner darauf hin, am 9. Mai, dem Tag des Sieges, nicht zu viel Deutsch zu reden, da viele Betrunkene gewaltvoll auf Deutsche reagieren würden.

Alles in allem waren die Russen jedoch sehr hilfsbereit und freundlich, die oben genannten Idioten gibt es aber leider überall auf der Welt!!!

Benedikt Paulowitsch

 

KULINARISCHE KÖSTLICHKEITEN IN RUSSLAND

Jedes Mal, wenn ich verreise, bereitet mir ein Punkt besondere Sorgen: das Essen. Da ich die wohlschmeckende gutbürgerlich-schwäbische Küche meiner Mutter gewohnt bin, konnte ich mir fast nicht vorstellen, 10 Tage lang von Kraut und Kohl zu leben, wie es mir die meisten meiner Freunde prophezeit hatten. Doch alles kam ganz anders, was für mich auch der Anlass ist, über die kulinarischen Köstlichkeiten Russlands zu berichten.

Da ich seit 2 Jahren Vegetarierin bin, die Russen aber ziemlich viel Fleisch essen, hatte es meine Gastfamilie schwer mit mir. Am Abend der Ankunft gab es noch gegen 23 Uhr 3 verschiedene Salate mit Reis und Gemüse, mit Sahnedressing und geriebenem Ei darüber. Es sah schlimmer aus als es schmeckte! Im Laufe des Austausches wurde ich immer mutiger und wagte mich dann schließlich auch an Sachen wie Borschtsch und gefüllten Kohl. Doch die süßen Gerichte schmeckten mir besser als die salzigen. Gleich am ersten Morgen wurde mir Bliny vorgesetzt, die man mit den französischen Crêpes vergleichen kann. Dazu kann man alle möglichen Soßen und Füllungen machen; mir schmeckten sie am besten mit Sguschtschonka, einem sehr süßer Sirup. Meine Gastfamilie merkte ziemlich schnell, dass mir die Bliny sehr schmeckten und machten sie darauf jeden Tag zum Frühstück. Also aß ich jeden Tag Bliny mit Sirup. Syrniki schmeckten auch sehr lecker; das sind kleine Teigteilchen in der Pfanne gebraten, die ich mit demselben Sirup aß. Pyschki aß ich auch ziemlich oft. Das waren russische Donuts, die man entweder mit Puderzucker oder auch mit Sguschtscjonka isst.

Wenn wir mittags oder abends Freizeit hatten, ja manchmal sogar morgens, während unsere Austauschpartner die Schulbank drückten, gingen wir Deutschen ins "Blinn Donalds"; das ist ein Fast-Food Restaurant, das nicht die typischen Burger, sondern Bliny, Pyschki usw. serviert. Dort haben wir bestimmt insgesamt 30 Euro ausgegeben. Die Bedienungen grinsten schon, wenn wir mit unserem gebrochen Russisch versuchten, eine Riesenmenge Essen zu bestellen. Es hat sich dann wohl auch schnell rumgesprochen, dass die Deutschen ganz verrückt nach den süßen Gerichten sind, weshalb sie schon immer wussten, was wir bestellen wollten.

Es gab in der ganzen Stadt Blinystände, vergleichbar mit den hiesigen Dönerbuden oder Brezelständen, an denen wir uns auch noch oft die eine oder andere süße Speise genehmigten.

Ich habe meine Gastfamilie nach den Rezepten gefragt und kann mir nun auch die russischen Spezialitäten zu Hause zubereiten. Auf die Heimreise hab ich dann noch 2 Bliny mit Soße mitbekommen. Lecker.

Anna Buchter